25 Mrz

WiP Limit für das Team begreifbar machen

Mehrere Aufgaben „gleichzeitig“ erledigen, ist das effizient? Manchmal fühlt man sich dazu “gezwungen” weil ja alles schnell fertig werden muss. Aber wird das dann tatsächlich schneller fertig? Mit dem Kopf mag sich das erschließen, aber im Tagesgeschäft fangen wir dann doch wieder alle Sachen an. Erklärungen sind da schwierig. 

Übungsbeispiel für ScrumMaster und Team-Coaches – das Team erleben lassen, statt davon zu erzählen. Eine Übung, um das WiP Limit im Team praktisch zu erarbeiten.

 

In vielen Teams sehe ich immer wieder, dass zu viele Aufgaben begonnen werden und wir viele Elemente „work in progress“ haben. Wenn das Team nun mehr und mehr Elemente startet werden immer weniger Dinge wirklich fertig. Diejenigen die in Arbeit sind dauern nun viel Länger – denn die Kapazität des Teams wird über noch mehr Themen verteilt. Die Fertigstellungstermine werden noch ungenauer – der Kunde ist sauer.

Als Agile Coach habe ich dann den oft den Vorschlag gemacht die Anzahl der Elemente in Progress zu limitieren. Das „WiP Limit“ einzuführen. Ich habe dann oft die immer wieder gleichen Fragen und Einwände gehört. Es ist schwer das Vorgehen „als Trockenübung“ zu erklären und zu überzeugen.

Hier mein Vorschlag wie das Team das selbst erfahren und spüren kann. Die eigenen Erkenntnisse prägen sich besser ein als Theorie aus dem Buch oder vom Coach („der das ja eh wieder nicht versteht was ich als Entwickler hier den ganzen Tag mache“).

 

Exercise Sequential vs. Parallel

Die Übung geht auf wissenschaftliche die Untersuchung in den 1990er Jahren zurück. Harold Pashler mit “Dual Task Interference.” und Gerald Weinberg in „Quality Software Management“ haben dazu publiziert. Jeff Sutherland hat das in seinem Buch „The Art of Doing twice the Work in Half the Time“ auf S. 90 unter „Waste is a Crime“ aufgegriffen.

  1. Definiere 4 „komplexe“ Aufgaben die aus mehreren Schritten bestehen
  2. Lasse die Teilnehmer zeilenweise daran Arbeiten und messe die Zeit
  3. Nach ca. 2 Minuten ändere die 4. Aufgabe inhaltlich ab (Change: Kunde ändert seine Meinung)
  4. Wiederhole die Aufgabe mit den Teilnehmern nach Spalten und messe die Zeit
  5. Nach 2 Minuten ändere wieder die 4. Aufgabe

 

Das Wichtige ist die Diskussion nach der Übung. Es geht nicht so sehr um die Ergebnisse, als vielmehr darum wie haben sich die Teilnehmer bei den zwei Durchgängen gefühlt? Was sind die Erkenntnisse die jeder aus der Übung in seine tägliche Arbeit übertragen kann. Gibt es ein Team-Lerning? Kann das Team daraus evtl. eine gemeinsame „Regel“ ableiten.

 

Anregungen und mögliche Frage durch den Coach für die Diskussion:

  • Bei welchem Durchgang habt Ihr euch besser gefühlt?
  • Was war effizienter (hat weniger Zeit gedauert)?
  • Wurde bei einer Änderung Arbeit vernichtet? Wenn ja warum?
  • Wann hat Kunde von Task A sein „Ergebnis“ bekommen – im 1. und wann im 2. Durchlauf?
  • Ist Variante 1 oder 2 besser geeignet um auf Änderungen zu reagieren?
  • Zeige die Tabelle

 

Anbei die Übung als Excel Datei. Diese enthält drei Tabs:

Exercise             Die Übung selbst – der Teil kann als Vorbereitung an die Teilnehmer verteilt werden

Change              Die Aufgabe D habe ich nach 2:30 Minuten verändert, um Change zu simulieren

Solution             Die Lösungsseite mit möglichen Lösungen. Wobei ich in der Team-Diskussion darauf nicht so viel Zeit verwenden würde.

 

Mich würde interessieren welche Erfahrungen Ihr mit euren Teams gesammelt habt. Funktioniert die Übung? Gibt es Verbesserungsvorschläge?


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